Active

Alle Kanäle

Jetzt hat es Shelly-Ann Fraser erwischt:
Positiver Dopingtest bei der Olympiasiegerin

  • Nahm angeblich nur Tablette gegen Zahnschmerzen
  • Weltmeisterin und 100-Meter-Sprint-Gold in Peking

Jamaikas Leichtathletik ist von einer Dopingaffäre eines ihrer Topstars betroffen. Die 100-m-Olympiasiegerin und Weltmeisterin Shelly-Ann Fraser wurde nach Angaben ihres Clubs MVP bereits im Mai beim Diamond-League-Meeting in Shanghai positiv getestet. Die nachgewiesene Substanz wurde noch nicht bekanntgegeben. Fraser rechtfertigte sich damit, sie habe eine Schmerztablette gegen Zahnschmerzen genommen und vergessen, das Medikament auf dem Testformular anzugeben. Die 23-Jährige wurde provisorisch gesperrt.

Fraser hatte bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking in 10,78 Sekunden über 100 Meter die Goldmedaille erobert und ein Jahr später bei der WM in Berlin über die gleiche Distanz in 10,73 ihren zweiten großen Titel geholt. Am Freitag musste Bruce James, der Präsident ihres Clubs, vom positiven Dopingtest berichten. Es sei jedoch "nichts Ernstes", versicherte er. Denn das eingenommene Medikament diene keineswegs der Leistungssteigerung und verschleiere auch nicht verbotene Produkte. "Daher wollen wir dieses Problem so rasch wie möglich aus der Welt schaffen", sagte James. Frasers Coach Stephen Francis meinte, die Strafe für ein derartiges Vergehen sei gewöhnlich eine Verwarnung.

Zahnschmerzen
Fraser erklärte, sie habe sich wegen Zahnproblemen in Jamaika behandeln lassen und beim Meeting in Shanghai wegen ihrer anhaltenden Schmerzen Ärzte konsultiert. Deren Mittel hätten nicht geholfen, daher habe sie ein zusätzliches Produkt genommen. Francis habe sie überzeugt, ein Schmerzmittel zu nehmen, das er wegen seiner Nierensteine verwende. Fraser sagte, sie habe sich danach müde gefühlt. Sie belegte in China in einer mäßigen Zeit den zweiten Platz.

Erst vergangene Woche hatte sich Fraser beim Meeting in Eugene kritisch gegenüber dopende Athleten geäußert. "Sie verlieren ihre Würde und werden am Ende doch erwischt", sagte sie in Interviews und bekräftigte, das Geheimnis ihres Erfolgs sei Training, Training und nochmals Training. Sie hatte schon seit drei Wochen vom positiven Test gewusst und am Donnerstag von der provisorischen Sperre erfahren. An diesem Tag hätte sie in Lausanne antreten sollen.

"Ich habe nichts zu verbergen"
Stattdessen flog sie nach Jamaika, um sich einer Anhörung ihres Verbandes zu stellen. "Ich habe nichts zu verbergen", erklärte die Sprinterin, die auf die Auswertung der B-Probe verzichtet. "Ich hoffe, dass meine Erklärung akzeptiert wird." Fraser erklärte, sie übernehme Verantwortung, weil Athleten wissen müssen, was sie einnehmen. "Aber ich bin bestürzt, weil nun jeder anzunehmen beginnt, dass ich verbotene Substanzen nehme. Mein Ruf ist irgendwie ruiniert."

Vor den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin waren fünf jamaikanische Sprinter - vier Männer und eine Frau - positiv auf ein Stimulanzmittel getestet worden und von ihrem Team nicht für die WM-Staffeln nominiert worden.

(apa/red)

12.7.2010 15:43
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
zurück zur Startseite