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18.7.2010 22:04

Neue Katastrophe für britischen Ölkonzern:
Verhalf BP einem Terroristen zur Freiheit?

  • Dubiose Intervention bei Lockerbie-Freilassung
  • Causa sorgt für diplomatische Verstimmungen

Der Ölfluss ist kaum gestoppt, da gerät BP erneut in die Kritik. US-Senatoren erheben schwere Vorwürfe gegen den Energiekonzern: Er soll die Finger im Spiel gehabt haben, als Großbritannien den libyschen Lockerbie-Attentäter Abdel Basset al-Megrahi aus der Haft in dessen Heimat entließ. Ziel der Lobbyarbeit soll gewesen sein, ein milliardenschweres Ölgeschäft mit Libyen zu sichern. Mehrere US-Senatoren haben eine Anhörung zum Thema im US-Senat durchgesetzt. BP verteidigt sich, und London springt erneut für den Konzern in die Bresche.

Die Senatoren sind empört, US-Medien sind empört, die Stimmung ist aufgeheizt. Es dürfe BP nicht erlaubt werden, "mit einem Deal auf Kosten von Terrorismusopfern Profit zu machen", schimpft Senator Charles Schumacher. Andere meinen, "kommerzielle Interessen - ob Öl oder andere - sollten niemals Vorrang vor der Gerechtigkeit für Terrorismusopfer haben". Schon wird in Washington erwogen, Minister der britischen Ex-Regierung vor den Ausschuss zu laden.

"Es gibt keinerlei Beweise, die die Vorwürfe untermauern, BP sei in die Entscheidung Schottlands über die Freilassung von Megrahi verwickelt gewesen", heißt es in einem Brief des britischen Außenministers William Hague an seine US-Amtskollegin Hillary Clinton. Es gebe auch keine Hinweise, dass die schottische Führung den Attentäter freigelassen habe, um ein Ölgeschäft von BP mit Libyen zu sichern.

Anschlag forderte 270 Tote
Bei dem Anschlag auf eine Maschine der US-Fluglinie Pan Am über dem schottischen Ort Lockerbie im Dezember 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen US-Bürger. Al-Megrahi (im Bild links) war deshalb 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt, vor rund einem Jahr aber begnadigt worden. Ärzte hatten ihm attestiert, wegen einer Krebserkrankung habe er nur noch drei Monate zu leben. Schottland hatte ihn freigelassen.

Die Entscheidung über die Rückkehr in die Heimat war dann von der britischen Regierung gefällt worden. Sie löste vor allem in den USA Empörung aus. Al-Megrahi wurde bei seiner Ankunft in Tripolis wie ein Held gefeiert. Heute lebt er bei seiner Familie in einer Villa.

Alles nur Zufall?
Großbritanniens damalige sozialdemokratische Regierung einigte sich mit Libyen 2007 auf die Übergabe Al-Megrahis - kurz darauf sicherte sich BP einen Millionendeal für die Suche nach Öl in dem nordafrikanischen Land. BP gab in der vergangenen Woche zu, die britische Regierung auf "mögliche negative Auswirkungen auf die Wirtschaftsinteressen" des Landes hingewiesen zu haben, sollte die Freilassung Al-Megrahis zu langsam voran gehen. Der Konzern besteht aber darauf, keinerlei Gespräche mit den Verantwortlichen in London oder Edinburgh über Al-Megrahi direkt geführt zu haben.

(apa/red)

18.7.2010 22:04
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